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Die Norm, die das gesamte Gebäude digital bewertet

Warum einzelne NEN- und ISO-Normen nicht zeigen, was ein Gebäude digital tatsächlich leisten kann.

Einblicke··8 Min. Lesezeit
Die Norm, die das gesamte Gebäude digital bewertet

Kernpunkte

  • Es existieren mehrere technische Normen für Teilbereiche der digitalen Infrastruktur, aber keine davon bewertet das Gebäude als Ganzes.
  • Normen wie die NEN-EN 50173-Reihe, ISO/IEC 11801, NEN 1010 und NEN 3140 richten sich jeweils auf ein bestimmtes technisches Teilgebiet.
  • Ein Mieter möchte keine Kabelnorm, sondern eine Antwort auf die Frage, ob er hier morgen arbeiten kann, etwas, das das IT-Label sichtbar machen will.
  • IT-Label will bestehende Normen nicht ersetzen, sondern sie in ein verständliches digitales Niveau von Gewerbeimmobilien übersetzen.
  • Ein gemeinsamer Standard wird stärker, wenn der Markt ihn gemeinsam aufbaut, innerhalb eines Wissenskollektivs.

Wer die digitale Infrastruktur eines Bürogebäudes, einer Gewerbefläche oder einer anderen Gewerbeimmobilie bewerten möchte, sucht nach einer Norm. Und landet anschließend nicht bei einem einzigen Dokument, sondern bei einer Reihe von Normen und Richtlinien, die jeweils einen Teil der Fragestellung behandeln. Es gibt keine spezifische "Norm für Immobilien-IT", die das Gebäude als Ganzes bewertet.

Das fällt auf, denn die Bausteine sind durchaus vorhanden. Für Verkabelung, für elektrische Sicherheit, für generische Telekommunikationsinfrastruktur: für fast jeden Teilbereich existiert ein sorgfältig erarbeiteter technischer Standard. Was fehlt, ist der Zusammenhang. Die daraus folgende Frage bildet den Kern dieses Artikels: Wer bewertet das Gesamtbild?

Dieser Beitrag betrachtet die Zersplitterung der Normen rund um digitale Infrastruktur und die Frage, ob IT-Label zur verbindenden Ebene werden kann, die all diese Teilbereiche zu einem verständlichen Gesamtbild zusammenführt.

Genügend Normen, aber jede für einen Teilbereich

Es mangelt nicht an Normen. Im Gegenteil. Wer die technische Qualität eines Gebäudes prüfen möchte, kann auf ein solides Fundament etablierter Standards zurückgreifen. Jeder davon ist wichtig, und jeder davon bewertet vor allem ein bestimmtes technisches Thema.

  • NEN-EN 50173-Reihe: befasst sich mit generischer strukturierter Datenverkabelung in Gebäuden.
  • NEN-EN 50174-Reihe: befasst sich mit der Installation und Qualitätssicherung von IKT-Verkabelung.
  • ISO/IEC 11801: der internationale Standard für generische Telekommunikations- und Datenverkabelung.
  • NEN 1010: befasst sich mit sicheren elektrischen Niederspannungsanlagen.
  • NEN 3140: befasst sich mit sicherem Betrieb, Inspektion und Wartung elektrischer Anlagen.

Für die aktuellen Fassungen und offiziellen Beschreibungen dieser Normen verweisen wir auf verlässliche Quellen wie NEN und ISO. Diese Normen sind unverzichtbar. Ein Ingenieur, IT-Installateur oder Fachspezialist zieht daraus täglich Nutzen. Doch sie beantworten selten die Frage, die ein Immobilienprofi stellt.

Denn ein Mieter möchte letztlich nicht wissen, ob ein Kabel nach der richtigen Norm verlegt wurde. Er möchte wissen, ob er hier morgen arbeiten kann. Das ist eine andere Frage, und diese Frage liegt außerhalb der Reichweite jeder einzelnen technischen Norm.

Was ein Mieter eigentlich fragt

Hinter der einfachen Frage "kann ich hier morgen arbeiten" verbirgt sich eine ganze Reihe konkreter Teilfragen. Ein Mieter, Eigentümer oder Berater möchte in der Praxis wissen:

  • Ist Glasfaser vorhanden, und gibt es Redundanz, falls die Internetverbindung ausfällt?
  • Welche CAT-Verkabelung liegt tatsächlich, und wie alt ist diese Infrastruktur?
  • Ist der Server- oder Patchraum gut eingerichtet und gesichert, und wer hat Zugang zu den technischen Räumen?
  • Wie ist die WLAN-Infrastruktur organisiert, und welche Gebäudesysteme sind mit dem Netzwerk verbunden?
  • Ist Dokumentation verfügbar, und wer ist verantwortlich: Mieter, Vermieter oder Lieferant?
  • Kann das Gebäude das künftige Wachstum bei Datenverbrauch, Cloud-Nutzung, KI und Smart-Building-Anwendungen bewältigen?

Keine dieser Fragen wird durch eine Verkabelungsnorm vollständig beantwortet. Und dennoch bestimmen gerade diese Fragen gemeinsam, ob ein Gebäude digital nutzbar ist. Sie betreffen Elektrik, Netzwerk, Sicherheit, Verwaltung, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit gleichzeitig.

Dort liegt die Kluft. Die technischen Normen sind die Bausteine. Was fehlt, ist die Legende, mit der Immobilienprofis verstehen, was all diese Bausteine gemeinsam für das Gebäude bedeuten.

Die Normen existieren bereits. Was fehlt, ist nicht noch eine technische Richtlinie, sondern der Zusammenhang, der sie in ein verständliches digitales Niveau übersetzt.

Von der technischen Norm zum verständlichen Immobilienniveau

Hier positioniert sich IT-Label bewusst als Übersetzungsebene zwischen Technik und Immobilie. Nicht als Ersatz bestehender Normen, sondern als die Ebene, die darüber liegt. Ein Ingenieur profitiert von den genauen Anforderungen einer NEN- oder ISO-Norm. Ein Asset Manager, Makler oder Finanzierer profitiert von einer viel einfacheren Schlussfolgerung: Was kann dieses Gebäude digital leisten?

IT-Label möchte nicht neu erfinden, wie ein Kabel verlegt werden muss. Es möchte sichtbar machen, was alle digitalen Teilbereiche zusammen für das Gebäude bedeuten. Dafür kann IT-Label bestehende NEN-, EN- und ISO-Normen gerade als zugrunde liegende technische Fundamente nutzen und darauf aufbauend die Immobilienfragen bewerten, die derzeit zwischen den Stühlen fallen.

Was IT-Label zusätzlich sichtbar macht

Aufbauend auf den technischen Fundamenten kann eine Bewertung unter anderem folgendes betrachten: Verfügbarkeit von Glasfaser, Internetkapazität und Redundanz, Kupfer- und Glasfaserverkabelung, WLAN-Infrastruktur, Patchschränke und Serverräume, physische Sicherheit und Zutrittskontrolle, Kameraaufstellung, cybersicherheitsbezogene Gebäuderisiken, IoT- und Gebäudemanagementsysteme, Dokumentation und Revisionspläne, Eigentum und Verantwortlichkeiten, Wartung und Lebenszyklus, Kontinuität, Erweiterbarkeit, künftige Datenkapazität und Eignung für KI, Cloud und Smart-Building-Anwendungen.

All diese Teilbereiche zusammen bilden das, was wir das digitale Niveau von Gewerbeimmobilien nennen. Das Ergebnis ist kein Stapel einzelner technischer Berichte, sondern eine erkennbare Gesamtbewertung, die an die Klassifizierung von PREMIUM bis SHELL anknüpft.

Zwei Wohntürme vor bewölktem Himmel
Ein Gebäude kann von außen identisch aussehen, während das digitale Niveau völlig unterschiedlich ist.

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Warum können wir Energie messen, aber digital nicht?

Bei Immobilien ist es inzwischen üblich, über Energieausweise, BREEAM, WELL, technischen Zustand, Brandschutz und Installationen zu sprechen. Für diese Aspekte existieren erkennbare Einstufungen, die jeder in der Branche versteht.

Digitale Infrastruktur wird dagegen noch immer mit einzelnen Begriffen beschrieben wie "Glasfaser vorhanden", "WLAN vorhanden", "CAT6-Verkabelung" oder "Internet möglich". Diese Begriffe sagen kaum etwas über Qualität, Kapazität, Redundanz, Sicherheit oder Zukunftsfähigkeit aus. In keiner Vermietungsbroschüre stehen sie im Verhältnis zu ihrer Bedeutung.

Daraus folgt eine einfache, aber unbequeme Frage: Warum können wir bei einem Gebäude auf einen Blick erkennen, wie energieeffizient es ist, aber nicht, wie digital zukunftsfähig es ist? Die Informationen wurden für Energie gesammelt. Für digitale Aspekte bleiben sie unsichtbar. Wer den Vergleich mit dem Energieausweis weiter vertiefen möchte, findet mehr dazu im Artikel über die neue Grundlage neben dem Energieausweis.

Ein Beispiel, warum Zusammenhang nötig ist

Nehmen wir ein Gebäude mit neuer CAT6A-Verkabelung, die technisch hervorragend installiert wurde. Auf Ebene der Verkabelungsnorm schneidet dieses Gebäude gut ab. Betrachtet man anschließend das Ganze, zeigt sich, dass nur eine einzige Internetverbindung vorhanden ist, der Patchraum für mehrere Mieter zugänglich ist, die Revisionsdokumentation fehlt und niemand genau weiß, wer für die aktive Netzwerktechnik verantwortlich ist.

Einzeln betrachtet können die Teilbereiche also in Ordnung sein. Aber ist dieses Gebäude damit digital zukunftsfähig? Ohne Redundanz steht die Arbeit bei einer einzigen Störung still. Ohne abgeschirmten technischen Raum entsteht ein Sicherheitsrisiko. Ohne Dokumentation und klare Verantwortung wird jeder Verwaltungsfall zur Suche.

Genau dort muss ein Sammelstandard das Gesamtbild sichtbar machen. Ein hervorragendes Kabel in einem verletzlichen Ganzen bleibt ein verletzliches Ganzes. Diese Erkenntnis entsteht erst, wenn man die Teilbereiche nebeneinanderlegt, und nicht jeden einzeln bewertet.

Ein digitaler TÜV, ein Pass und die Momente im Zyklus

Ein Sammelrahmen für digitale Immobilienqualität ist zu mehreren Zeitpunkten von Wert. Man denke an einen digitalen TÜV, der die digitale Widerstandsfähigkeit regelmäßig prüft, an einen digitalen Gebäudepass, der die Informationen an einem Ort festhält, und an Digital Due Diligence bei Transaktionen. Stets geht es um dasselbe Ziel: sichtbar zu machen, was jetzt noch unsichtbar ist.

Eine solche Systematik ist nicht an einen einzigen Zeitpunkt im Lebenszyklus eines Gebäudes gebunden. Sie kann wertvoll sein:

  1. bei Neubau und Übergabe;
  2. bei Vermietung und Anmietung;
  3. bei Kauf und Verkauf;
  4. bei Renovierung und Neuentwicklung;
  5. bei technischer Due Diligence;
  6. und bei regelmäßiger Inspektion.

Zu jedem dieser Zeitpunkte stellt jemand dieselbe Frage: Was kann dieses Gebäude digital leisten? Ein Eigentümer, der das vorab sichtbar macht, gibt dem Markt eine Antwort statt einer Annahme. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite über den digitalen Pass von Immobilien.

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Kann es einen gemeinsamen Standard geben?

Dann die ehrgeizige Frage. Kann es letztlich einen gemeinsamen Standard für das digitale Niveau von Gewerbeimmobilien geben, und kann IT-Label dazu beitragen?

Ein interessanter nächster Schritt könnte sein zu untersuchen, ob die Methodik von IT-Label künftig Anschluss an einen offiziellen Normungsprozess finden kann. Normung kann verschiedene Formen annehmen, von einer Praxisrichtlinie über eine technische Vereinbarung bis hin zu einer formalen Norm. Die korrekte Terminologie und die entsprechenden Verfahren liegen bei den zuständigen Normungsorganisationen, und bevor hierzu konkrete Aussagen gemacht werden, müssen diese sorgfältig geprüft werden.

Zur Klarheit: IT-Label ist derzeit keine offizielle Norm, und keine Normungsorganisation ist an IT-Label beteiligt. Was wir aber tun können, ist die Frage klar auf den Tisch zu legen und die Methodik so zu entwickeln, dass ein künftiger Anschluss nicht ausgeschlossen wird. Den Hintergrund dazu beschreiben wir im Artikel über unsere Methodologie.

Einen Standard baut man gemeinsam

Ein Sammelstandard für digitale Immobilien sollte nicht von einer einzigen kommerziellen Partei bestimmt werden. Ein Standard wird stärker, wenn der Markt ihn gemeinsam aufbaut. Deshalb arbeitet IT-Label als Wissenskollektiv, in dem verschiedene Disziplinen zusammenkommen.

Das bedeutet: Immobilieneigentümer, Mieter, Makler, Asset Manager, Property Manager, technische Manager, IT-Installateure, Netzwerklieferanten, Glasfaseranbieter, Design-&-Build-Parteien, Cybersicherheitsspezialisten, Juristen, Ingenieure, Entwickler sowie Wissens- und Normungsorganisationen. Jeder bringt einen Teil des Bildes ein. Zusammen entsteht der Zusammenhang, den keiner von ihnen allein liefern kann.

Welche Rolle Partner dabei spielen und wie diese Zusammenarbeit aufgebaut ist, lesen Sie auf der Seite was macht ein Partner.

Weiterdenken: Beginnen Sie mit Verbinden

Vielleicht muss der Immobilienmarkt nicht noch mehr einzelne technische Richtlinien entwickeln. Vielleicht müssen wir gerade damit beginnen, das bereits Vorhandene zu verbinden. Die technischen Normen sind sorgfältig, etabliert und unverzichtbar. Was fehlt, ist die Ebene, die ihre Bedeutung in eine verständliche Immobilienleistung übersetzt.

IT-Label kann darin zur Sammelstelle werden: bestehende Normen als Fundament, ein verständliches digitales Niveau als Ergebnis. Von der technischen Norm zum verständlichen Immobilienniveau, ohne eine einzige bestehende Norm zu ersetzen.

IT-Label geht darüber gerne ins Gespräch mit Immobilienprofis, IT-Parteien, technischen Beratern, Wissensorganisationen und anderen Fachleuten, die über einen gemeinsamen Standard für digitale Immobilien mitdenken möchten. Nehmen Sie dafür Kontakt auf oder informieren Sie sich zunächst darüber, wie das IT-Label funktioniert. Gemeinsam machen wir sichtbar, was jetzt noch unsichtbar ist.

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